Berliner Torturm - ein Stück mittelalterliches Altlandsberg
Der Berliner Torturm gehört zu den ältesten erhaltenen Teilen der mittelalterlichen Stadtbefestigung Altlandsbergs. Der quadratische Feldsteinturm ist etwa 18 Meter hoch und bildet gemeinsam mit der erhaltenen Stadtmauer sowie den Wall- und Grabenanlagen ein bedeutendes Zeugnis unserer Stadtgeschichte.
Vom Feldsteinhaus zum Torturm
Die ältesten Bauteile reichen bis in das 13. Jahrhundert zurück. Nach den überlieferten Angaben wurde der Turm auf der Giebelwand eines zuvor abgebrannten Feldsteinhauses errichtet. Teile der alten Granit- beziehungsweise Feldsteinfassade blieben dabei erhalten und wurden in den späteren Turmbau einbezogen.
Der ursprüngliche Zugang zum Turm befand sich nicht auf Straßenniveau. Man gelangte von einem erhöhten Gang des angrenzenden Torhauses in den Turm. Die damalige Öffnung ist noch heute im Mauerwerk zu erkennen. Erst später entstand ein direkter Zugang von der Straße.
Wann genau der heute sichtbare Turm entstand, wird in den Quellen unterschiedlich angegeben. Während einige Darstellungen seine Entstehung in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts einordnen, wird auch eine Erweiterung der Befestigungsanlage im 14. Jahrhundert genannt. Sicher ist, dass sich im Berliner Torturm sehr frühe Bestandteile der Altlandsberger Stadtbefestigung erhalten haben.
Veränderungen im 19. Jahrhundert
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der eigentliche Torbau beseitigt. In verschiedenen Überlieferungen wird hierfür 1820 beziehungsweise um 1825 genannt. Nach dem Abbruch blieben die entsprechenden Abbruchflächen am Turm sichtbar.
Probleme bereitete vor allem eine Absenkung an der Südseite des Turmes. Dadurch entstanden lange Risse im Mauerwerk. Die reparierten Risse brachen 1883 erneut auf, sodass die Standfestigkeit des Turmes zunehmend infrage gestellt wurde.
Beinahe abgerissen
Im August 1897 beantragten die Stadtverordneten schließlich sogar den Abriss des Berliner Torturmes.
Dazu kam es jedoch nicht.
Im Juni 1898 wurde stattdessen eine umfangreiche Reparatur angeordnet. Grundlage war ein Kostenvoranschlag des Altlandsberger Maurermeisters Conrad. Regierungsbaurat Leithold steuerte 75 Mark zu den Arbeiten bei, die Stadt Altlandsberg bewilligte weitere 300 Mark.
Im Jahr 1898 wurden mehrere wichtige Sicherungsmaßnahmen durchgeführt:
- Das Fundament wurde untermauert.
- Die beschädigte Turmspitze wurde erneuert.
- Die Risse wurden mit Feldsteinen und Mörtel verfüllt.
- Zur Stabilisierung wurde ein Eisenband um den Turm gelegt.
Diese Arbeiten trugen entscheidend dazu bei, dass der Berliner Torturm erhalten blieb.
Das Storchenrad auf dem Berliner Torturm
Um 1903 wurde auf der Spitze des Berliner Torturmes ein Wagenrad als Nisthilfe für Störche angebracht.
Die Störche nahmen diesen vorgesehenen Nistplatz jedoch nicht an. Das Wagenrad blieb auf der Turmspitze und verfiel schließlich nach etwa 30 Jahren.
Ein erhaltenes beziehungsweise überliefertes Storchenrad kann heute bei uns im Heimatverein Altlandsberg besichtigt werden und erinnert an diesen besonderen Abschnitt der Geschichte des Berliner Torturmes.
Vom Efeu überwuchert
Ab etwa 1910 wurde der Berliner Torturm zunehmend von Efeu überwachsen. Um 1930 wurde der Bewuchs wieder entfernt.
Zeitweise nutzte ein Straßenhändler den unteren Raum des Turmes.
Auf der oberen Plattform sammelten sich im Laufe der Jahrzehnte Humus, Pflanzenbewuchs und Erdreich an. Dadurch wurde das historische Mauerwerk zusätzlich belastet und der Verfall des Bauwerks beschleunigt.
Rettung des Turmes im Jahr 1983
Im Jahr 1983 musste erneut gehandelt werden, um den Berliner Torturm vor dem drohenden Verfall zu bewahren.
Finanziert durch den damaligen staatlichen Denkmalschutz und organisiert durch den Kulturbund wurde der Turm gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern der Stadt umfassend saniert.
Dabei wurden unter anderem
- die Turmspitze,
- die obere Mauerbrüstung,
- die Träger sowie
- die Böden der Zwischengeschosse
erneuert. Auch die große Leiter im Inneren des Turmes entstand im Zusammenhang mit diesen Arbeiten.
Unser Einsatz für den Berliner Torturm
Seit 2000 engagieren wir uns als Heimatverein Altlandsberg gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Stadtschule für den weiteren Erhalt des historischen Bauwerks.
Das hölzerne Innere des Turmes und die große, bereits um 1983 eingebaute Leiter wurden umfassend erneuert und abgesichert. Außerdem erhielt der Turm einen Elektroanschluss.
Rund um den Turm wurden Schutt und störende Anbauten entfernt. Dadurch konnten mittelalterliche Strukturen wieder sichtbar gemacht und das historische Umfeld des Berliner Torturmes aufgewertet werden.
Der Berliner Torturm heute
Seit 2004 ist der Berliner Torturm unter Aufsicht öffentlich zugänglich.
Wer die steile Leiter im Inneren hinaufsteigt, gelangt zur oberen Plattform. Von dort bietet sich ein besonderer Blick über die Altstadt von Altlandsberg, die historische Stadtmauer sowie die Wall- und Grabenanlagen.
Für uns als Heimatverein ist der Berliner Torturm deshalb weit mehr als nur ein altes Bauwerk. Er erzählt von der mittelalterlichen Stadtbefestigung, von jahrhundertelangen Veränderungen, vom beinahe erfolgten Abriss und schließlich von der erfolgreichen Rettung des Turmes.
Dass wir ihn heute noch erleben und Besuchern zeigen können, ist dem Einsatz vieler Generationen von Altlandsberger Bürgerinnen und Bürgern, dem Denkmalschutz und nicht zuletzt dem ehrenamtlichen Engagement für die Geschichte unserer Stadt zu verdanken.




